Süßwasserstechrochen-Rätsel gelöst

Vor kurzem fing der Angler Keth SUTTON im Rio Negro in Brasilien einen erstaunlich großen Rochen. Obwohl das Tier nicht vermessen wurde, kann man auf einem Foto abschätzen, dass es einen Durchmesser von mindestens 1,50 m haben muß. Das Tier ist damit wahrscheinlich der größte südamerikanische Süßwasserstechrochen der je gefangen wurde.

Doch nicht nur dies war an diesem Tier bemerkenswert. Der Rochen, der als Paratrygon aiereba (MÜLLER & HENLE 1841) bestimmt wurde, hatte große, deutlich sichtbare Dornen auf der Schwanzwurzel und dies scheint die Lösung zu sein für ein als aussichtslos geltendes Problem der Süßwasserrochen–Systematik. Die Forschungsreisenden JARDINE und SCHOMBURGK beschrieben 1843 einen Rochen aus dem Rio Branco, Brasilien, mit dem Namen Elipesurus spinicauda. Leider wurde dieses Exemplar aber nicht konserviert und einer wissenschaftlichen Sammlung zugängig gemacht, sondern es wurde nur eine kolorierte Zeichnung davon angefertigt, was durchaus der damals üblichen Vorgehensweise entsprach.

Dieser Rochen hatte eine große Körperscheibe und einen verhältnismäßig kurzen Schwanz mit deutlich sichtbaren, großen Dornen. Dies wurde im wissenschaftlichen Namen des Tieres auch ausgedrückt (spinus, lat. = Dorn, caudus, lat. = Schwanz) und die Identität dieses Tieres war lange Zeit unklar. Da der Rochen, den Keth SUTTON, gefangen hatte genau solche Dornen besitzt, wie sie auf der Zeichnung von JARDINE und SCHOMBURGK zu sehen sind, und auch die restlichen Merkmale übereinstimmen, dürfte klar sein, dass es sich bei den beiden Tieren um die gleiche Art handelt.

Den beiden Forschungsreisenden diente damals wohl ein ähnlich großes Exemplar als Vorbild für ihre Zeichnung. Der Name Elipesurus spinicauda JARDINE & SCHOMBURGK, 1843 würde damit, gemäß den Regeln der Kommission für die zoologische Nomenklatur, ungültig und als Juniorsynonym für den Namen Paratrygon aiereba (MÜLLER & HENLE, 1841) angesehen werden müssen. Allerdings steht die wissenschaftliche Bestätigung hierfür noch aus.

Quelle: Ochs, A. (2001): http://www.potamotrygon.de/rochennews/aqualognews39.html