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Buchvorstellung
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Durch das ganze Buch, besonders in Kapiteln 4 und 5, zieht sich wie ein roter Faden das Problem deutscher Namen. Viele Arten außerhalb der Nordsee, des Mittelmeers und des NO-Atlantiks hatten nie deutsche Namen. Fischführer anderer Gebiete für Sporttaucher haben hier Erweiterung geschaffen, nicht immer allerdings in sachkundiger, geglückter Form. Reine Übersetzung englischer Trivialnamen, die teils nicht übersetzbar und teils sehr pauschal sind, hilft auch nur in einigen Fällen. Im Buch häufen sich aber überflüssige, oft gekrampfte Übersetzungen für Arten, die lange wohl eingeführte deutsche Namen haben. Einige Beispiele: Somniosus rostratus ist der Kleine oder Mittelmeer-Eishai, oder könnte sich ein Leser etwas unter dem Namen "Lemargo" vorstellen (S. 142)? Der "Nordatlantische Dornhai" (Squalus acanthias) (S.143) , richtig "Gemeiner Dornhai" kommt um Südamerika, vor Südafrika, bei Australien und Neuseeland und vor China/Japan quasi weltweit vor. Im übrigen Buch heißen die Heterodontidae durchweg richtig "Stierkopfhaie", auf S. 146 plötzlich (aus dem Englischen) "Hornhaie". Der Englisch "Sandtiger" heißt zu Deutsch nicht automatisch auch "Sandtiger" sondern "Sandhai" (S. 151), und der "Atlantische Falsche Marderhai" (Pseudotriakis microdon) (S.157) ist weltweit verbreitet und heißt diesmal wie "False Catshark" im Englischen auch im Deutschen "Falscher Katzenhai". Unser "Hundshai" (Galeorhinus galeus) wird plötzlich zum "Schulen-Marderhai" (S. 158). Als Galeorhinus galeus wird dafür der westafrikanische Verwandte Leptocharias smithii bezeichnet (S. 157). Der weitverbreitete "Bronzehai" (C. brachyurus) (S. 160) verdient nicht die zungenbrecherische Neuschöpfung "Bronzefarbener Walfängerhai", die nur aus dem Englischen übersetzt wurde. Der berüchtigte "Stierhai" (C. leucas) (S.161) muß auch nicht in "Gemeiner Grundhai" verfälscht werden, heißt er doch selbst im Englischen "Bull Shark", und der "Schwarzhai" (C. obscurus) (S. 162) muß nicht wieder zum "Düsteren Hai" wegen des englischen "Dusky Shark" werden. Solcher Namensbrei ist vermeidbar und führt gewiß nicht zu besserer Klarheit und Eindeutigkeit.

Buchtext und Abbildungslegenden der deutschen Ausgabe scheinen aus verschiedener Feder und Bearbeitung zu stammen, denn anders lassen sich einige grobe Schnitzer kaum erklären. Vertauschte Abbildungslegenden gleich zu Beginn (S.6/7), wo A = C, B = A und C = B ist; auf S. 41 ist ferner g) die Schwanzflosse des Krausenhais, aber h) nicht die eines Grundhais (Carcharhinus sp.) sondern die eines Dornhais; auf S. 111 ist B der schwarze Dornhai (Etmopterus sp.) und A ein Dornhaiembryo (Squalus sp.). Auf S. 49 wird zum Diagramm der Fehler aus FIEDLER (1991, ‘Lehrb. d. Spez. Zoologie, Fische’, S. 33) fortgeschrieben, Placoidschuppen dienten dem Leuchten, etwa beim schwarzen Dornhai, Etmopterus; hier werden laut Diagrammlegende Placoidschuppen sogar zu Photophoren (Leuchtorganen) umgewandelt, obwohl diese aus der Haut entstehen und zwischen den Placoidschuppen plaziert sind. Augenlider (S. 60, Abb. 1) sind beweglich zum Schutz des Augapfels, was bei einigen Haiarten die sogenannte "Nickhaut" übernimmt, die sich von unten nach oben schiebt, aber die Ränder der Augenhöhle (‘a’ in der Abb.) sind nicht gleich Augenlider. In den Biotoptafeln (S. 80/81, 88/89) ist jeweils eindeutig ein Glatthai statt des vorgeblichen Katzenhais abgebildet. Carcharhinus tilstoni der Tafel auf S. 86/87 (A) ist ein Synonym des Kleinen Schwarzspitzenhais C. limbatus. Bei zwei Haiphotos (S. 34, 37) ist vom "Grauhai" die Rede, also Hexanchus griseus, aber der Graue Riffhai, C. amblyrhynchos, ist abgebildet. Etwas peinlich ist vor allem in einem Buch über die Knorpelfischgruppe der Haie, wenn in zahlreichen skelettanatomischen Bildlegenden und im Text fast durchgängig von "Knochen" gesprochen wird (gehäuft im 1. Kapitel).

So attraktiv das großformatige, reich und gut bebilderte Buch auf den ersten Blick erscheinen und quasi
d a s populärwissenschaftliche Handbuch über Haie versprechen mag, ist es doch nur ein weiteres Haibuch schon gewohnter Art. Schade, daß in der deutschen Ausgabe mit einem Wirbeltierzoologen als Übersetzer nicht genutzt wurde, über den Standard solcher Haibücher hinauszugehen, zumal dem Verlag selbst in Hamburg die Fachleute zur Verfügung gestanden hätten. Auf einige thematische Unterlassungen wurde schon hingewiesen. Neben der notwendigen Grundinformation zum Lebewesen Hai hätten gerade die Defizitthemen solcher Haibücher, zu denen die Forschung inzwischen viel Neues erreicht hat (z.B. Sinnesleistungen und -physiologie, Verhalten), das Buch aktuell und angemessen bereichern können - auch und gerade für Taucher. Wegen der, durch Überfischung kritischen Lage einiger Haiarten sowie vieler lokaler und regionaler Mischarten-Haibestände (weshalb diese auch auf den ‘Roten Listen gefährdeter Arten’ erscheinen) und angesichts internationaler Schutzbemühungen für diese besonderen Fische und ihre Lebensräume, vermißt man einen Abschnitt des Buchs zu Ursachen und Folgen dieser problematischen Entwicklung. Und wenn auch nur, weil das Thema ebenso die Taucher angeht.

- Dr. M. Stehmann

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© Deutsche Elasmobranchier Gesellschaft (D. E. G.) e. V., Hamburg 1999