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Reisen:
Porto Santo
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Man muß als Taucher nicht in exotische Ferne reisen, um noch ungestörte, natürliche, besondere Plätze zu finden. D.E.G.-Mitglied Dr. Peter Nahke fand einen solchen Platz an der Peripherie Europas in der ostatlantischen, zu Portugal gehörenden Inselgruppe Madeiras. Dort auch noch auf einen Elasmobranchier-'Hot Spot' gestoßen zu sein, war die spezielle Überraschung. Porto Santo, die kleine Nachbarinsel von Madeira, hat dem Besucher kaum mehr als einen breiten, kilometerlangen Sandstrand zu bieten. Taucher dagegen schwärmen von der (noch) intakten Unterwasserwelt, die sie hier vorfinden - und von den Stechrochen, die im Frühjahr hier in großer Zahl auftauchen.

Die Stingray - Bay Porto Santo

"Serra de Fora" lautet der Name einer kleinen Bucht an der Ostküste von Porto Santo. Für mich dagegen heißt diese malerische Bucht nur noch die "Stingray-Bay". Es war an einem windigen, kühlen Tag im Mai, als das Wetter das Tauchen vom Boot aus unmöglich machte. "Eine gute Gelegenheit, heute einmal eine Tauchpause einzulegen", meinte Urs zu uns, als wir von ihm, dem erfahrenen Leiter der einzigen Tauchbasis der Insel, erfuhren, daß der Wind so ungünstig auf die Südküste steht, daß an ein Auslaufen mit dem Tauchkutter nicht zu denken wäre. "Morgen vielleicht wieder". Doch ganz so leicht waren wir vom Tauchen nicht abzubringen. Wir waren nur für eine Woche von Madeira auf die kleine Nachbarinsel herübergekommen, da zählte für uns jeder Tag. "Es gibt eine Bucht, die bei Südwind gut zu betauchen ist, allerdings ist das Wasser dort flach, tiefer als zehn Meter wird es kaum." Urs machte keinen Hehl daraus, daß dieser Tauchplatz eine Notlösung sei, kein Vergleich mit seinen Lieblingsplätzen, die nur mit dem Boot zu erreichen sind. Doch wir wollten ins Wasser. Die Tauchklamotten hatten wir schnell im Auto verstaut, nach knapp einer Stunde tauchten wir unter. Urs schien mit seinem Urteil nicht übertrieben zu haben. Suchend kreuzten wir dicht über dem Boden in kaum fünf Metern Tiefe durch die Bucht. Wir wollten nach einer halben Stunde schon wieder umkehren, als wir plötzlich mitten unter ihnen waren: im lockeren Sandgrund halb eingegraben lagen große Braune Stechrochen. Zuerst war es nur einer, den wir entdeckten. Doch dann sahen wir zwei, drei, vier, immer mehr. Dicht an dicht lagen die großen Stechrochen unter uns.

Geburt eines Archipels. Etwa 20 Millionen Jahre ist es her, als in 4000 Metern Tiefe mitten im Atlantik der Meeresboden zu kochen begann. Ein gewaltiges unterseeisches Vulkangebirge entstand, dessen Gipfel aus dem Meer auftauchten: In einem grandiosen Naturschauspiel wurden Madeira, die Desertas und Porto Santo geboren. Während zwischen der Hauptinsel und den heute noch unbewohnten Desertas das Wasser kaum 250 Meter tief ist, trennt Madeira und das 40 Kilometer nordöstlich gelegene Porto Santo ein über 2000 Meter tiefer Graben.

So klein Porto Santo auch ist, die Insel hat etwas, das man auf der großen Nachbarinsel vergeblich sucht: einen breiten, kilometerlangen Sandstrand. Er ist das touristische Markenzeichen Porto Santos. So unglaublich es klingen mag: der feinsandige, helle, neun Kilometer (!) lange Strand ist heute noch nahezu unverbaut. Die gesamte Südküste Porto Santos ist frei von Hotelburgen oder weitläufigen Appartementanlagen. Natürlich hatten auch die Inselbewohner versucht, an das schnelle Geld im devisenträchtigen Touristengeschäft zu kommen - immerhin verfügt die Insel über einen großen Flughafen und damit über eine ideale Voraussetzung, sich in den Charterverkehr von und nach den westlichen Metropolen einzuklinken - doch irgendwie hat es mit dem Pauschaltourismus nicht klappen wollen: seit den achtziger Jahren steht als einziges Hochhaus auf der Insel im Süden direkt hinter dem Strand die häßliche Bauruine eines einstmals groß projektierten Hotels.

Wer auf die kleine Insel im Nordosten von Madeira will, muß über Madeira anreisen. Nicht eine einzige Maschine - auch nicht der portugiesischen Fluggesellschaft Transportes Aeros Portugal (TAP), fliegt aus Europa Porto Santo direkt an. Zwei Möglichkeiten bieten sich dem Porto Santo-Besucher: entweder mit dem Schnellboot von Funchal aus oder mit dem Flugzeug vom Flughafen Santa Cruz. Das Schnellboot, ein Doppelrumpfboot mit geschlossener Passagierkabine, benötigt für die Strecke vom Hafen von Funchal nach Vila Baleira etwa 90 Minuten. Nicht nur bei rauher See soll diese Schiffsreise für empfindliche Reisende in unangenehmer Erinnerung bleiben. Mit den kleinen Propellermaschinen, die im Liniendienst mehrmals täglich zwischen Madeira und Porto Santo pendeln, dauert der Flug knapp fünfzehn Minuten. In den Sommermonaten, wenn vor allem die Madeirenser zum Strandurlaub nach Porto Santo übersetzen, ist frühzeitige Buchung eine Notwendigkeit: sowohl das Boot als auch die Flugverbindungen sind dann viele Tage voraus ausgebucht.

Wahrzeichen der Insel sind die malerischen kleinen Windmühlen, die heute allerdings meist stillstehen. Von den fast 40 Mühlen, die noch vor dreißig Jahren tagaus, tagein das Korn mahlten, sind gerade noch fünf übrig geblieben. Sie zählen sicher zu den meist fotografierten Motiven - ebenso wie der grandiose Blick von dem 163 Meter hohen Hügel Portela östlich von Vila Baleira. Hier liegt dem Reisenden fast die gesamte Insel zu Füßen: die Stadt, der Strand, der Flughafen, die gesamte Südküste bis zur Ilhéu de Baixo ganz im Südwesten. Und bei klarer Luft ist am Horizont die dunkle Silhouette der großen Nachbarinsel Madeira, deren bis über 1800 Meter hohe Berge meist von Wolken verhüllt sind, gut zu erkennen. Direkt unterhalb dieses Aussichtspunktes wurden die neuen Hafenanlagen von Porto Santo gebaut. Hier hat auch Urs Moser, Leiter der Tauchbasis auf der Insel, seine beiden Boote vertäut.

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