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| Reisen: Porto Santo |
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Tauchen auf Porto Santo ist - wie der Tourismus auf dieser Insel generell - alles andere als ein Massenbetrieb, kein Vergleich zu der großen Nachbarinsel. Porto Santo scheint touristisch immer noch im Dornröschenschlaf zu liegen. Die Tauchbasis liegt mitten in Vila Baleira, nur wenige Meter vom Wasser entfernt. Doch Tauchen unmittelbar von der Basis aus ist nicht möglich. Getaucht wird auf Porto Santo üblicherweise vom Boot aus. Nur bei schlechtem Wetter, wenn stürmische Winde die Ausfahrt mit dem Boot unmöglich machen, wird von Land aus getaucht: die Innenseite der Hafenmauer oder die Serra de Fora werden als Ausweichplätze angefahren. Zwar sind sie alles andere als ideale Tauchplätze doch auch für einige Überraschungen gut. Im Hafenbecken ist es möglich, auf große Schmetterlingsrochen (Gymnura) zu treffen - und die flache Bucht von Serra de Fora entpuppte sich, wie eingangs geschildert, als Tummelplatz der Braunen Stechrochen (Dasyatis pastinaca, im Englischen Common stingray). Der Braune Stechrochen ist der einzige, der sich auch im kalten Wasser der Nordsee noch wohl fühlt: diese Art ist selbst noch an der Südküste Norwegens anzutreffen. Sogar die westliche Ostsee zählt zu seinem Verbreitungsgebiet, das das gesamte Mittelmeer, das Schwarze Meer und die afrikanische Küste bis Südafrika ebenso umfaßt wie die atlantischen Inselgruppen der Azoren, Kanaren und Madeira. Der auf der Rückenseite eintönig schmutzig graubraun bis dunkelbraun gefärbte Rochen hat eine im Durchmesser bis 150 Zentimeter große Körperscheibe. Der Braune Stechrochen ist an seiner auffallend spitzen Schnauze und an seinem sehr langen Schwanz gut zu erkennen. Urs, der seit zwölf Jahren seine Basis auf Porto Santo führt, gibt derzeit 23 verschiedene Tauchplätze an, die mehr oder weniger regelmäßig von ihm angefahren werden, bei Fahrzeiten (mit dem offenen Tauchkutter) von 10 bis 90 Minuten. Fast alle Tauchplätze liegen an der Südküste und schließen die beiden unbewohnten Felseninseln Ilhéu de Baixo (an der Südwestspitze) und Ilhéu de Cima (an der Südostspitze Porto Santos) mit ein. Die weit entfernt liegenden Tauchplätze - wie die fünf verschiedenen Stellen dicht an der Westküste der schroffen Felseninsel Ilhéu de Baixo - werden als Tagestouren (mit zwei Tauchgängen) angefahren. Viel ist es nicht gerade, was Porto Santo den Besuchern zu bieten hat. Vor über 500 Jahren lebte ein Zuckerhändler aus Genua für kurze Zeit in Vila Baleira, dem verschlafenen Hauptort von Porto Santo: Christopher Kolumbus. Ihm haben die Inselbewohner ein Denkmal gesetzt. Um 1480, wenige Jahre vor seiner Entdeckung Amerikas, wohnte Kolumbus mit seiner Familie in einem kleinen Haus direkt hinter der Pfarrkirche. Das Haus ist heute zu einem winzigen Museum umgebaut, eine der wenigen Sehenswürdigkeiten von Porto Santo. Sicher ist, daß Kolumbus während seiner Jahre auf Madeira und Porto Santo den Entschluß faßte, im Westen nach unbekannten Ländern zu suchen. Damals waren die waghalsigen portugiesischen Seefahrer bereits weit über Madeira hinaus nach Westen vorgestoßen und hatten einige der Azoreninseln entdeckt. Die Legende will es, daß der junge Kolumbus von einem Steuermann, der sterbend die Küste Porto Santos erreichte, von Land weit westlich der bisher bekannten Breiten erfuhr. Wer auf einer Inselrundfahrt - mit dem Taxi, dem Mietwagen oder dem geliehenen Moped - die Schönheiten der Insel besichtigen will, wird auf jeden Fall auch kurz an der Ponta da Calheta Halt machen. Die schroffen, dunklen Felsformationen der der Südwestspitze Porto Santos vorgelagerten Ilhéu de Baixo sind ein beliebtes Fotomotiv. Auch die Nordküste ist einen kurzen Abstecher wert: im Gegensatz zur flachen Südküste mit dem breiten Sandstrand ist die Nordküste steil und felsig. Auf der Fahrt über die Insel verliert man kaum das Meer aus den Augen, dazu ist Porto Santo - zwölf Kilometer lang und drei Kilometer breit - einfach viel zu klein. Von dem einstmals lichten Buschwald, der die gesamte Insel überzog, bevor die ersten Siedler sich 1420 auf Porto Santo festsetzten, ist heute nichts mehr zu erkennen. Die Inselbevölkerung lebte von Ackerbau und Viehzucht. Lange Zeit litt Porto Santo unter den Übergriffen der Seeräuber, für die die unbefestigte Insel immer wieder zur leichten Beute wurde. Heute leben die knap 5000 Einwohner vom Flughafenbetrieb (der Flughafen wird vor allem von der NATO genutzt), vom Weinanbau, den Mineralwasserquellen und von den Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft. Wenn nach zwei, drei Stunden Inselbesichtigung Vila Baleira wieder erreicht ist, wird es Zeit, auf einen "Bica" (Espresso) oder einen "Adega Velha" (portugiesischer Zuckerrohrschnaps) in einer der vielen Bars einzukehren. Spätestens dann wird sich das Gespräch wieder auf die Unterwasserwelt Porto Santos konzentrieren - und die steht der Unterwasserlandschaft der anderen großen Inselgruppen des Ostatlantiks in nichts nach, ganz im Gegenteil: es soll Taucher geben, die schon "alles" gesehen haben, was das Meer zwischen den Kapverden und den Azoren an Tauchplätzen zu bieten hat - und die doch am liebsten nach Porto Santo zurückkehren, zu den vielen Plätzen zwischen "Makrelenhügel" und "Thun-Riff" - und zur "Stingray-Bay". Dr. Peter Wirtz, mein Tauchpartner, der viele Jahre an der Universität Madeira als Professor für Meeresbiologie tätig war, ist sich sicher: nur während einer kurzen Zeit im Frühjahr wird es zu diesem ungewöhnlichen Treffen der Stechrochen im flachen Wasser in der Serra de Fora kommen: dann, wenn die trächtigen Weibchen das flache Wasser zum Absetzen ihrer vier bis sieben Jungen aufsuchen (Stechrochen sind ovovivipar lebendgebärend). Wir hatten einfach Glück und waren - notgedrungen - zur rechten Zeit am richtigen Ort. PN Zurück zur Übersicht (Index Elasmoskop 2/96) |