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| Zwei Jugendbücher: "Haie" |
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DRÖSCHER, Vitus B., 1993: Haie und Rochen. In der Reihe 'Was ist Was', Band 95. Tessloff Verlag Nürnberg:48 Seiten, überwiegend Farbzeichnungen + einige Farbphotos. ISBN 3-7886-0637-1. Preis: 19,80 DM Hardcover. Inhalt in Stichwörtern: Panik-Monster Hai; sind Haie Freßmaschinen, Streicheltiere? Greifen sie Menschen an? Welche Haie sind harmlos, gefährlich? Wie gefährlich ist der Weiße Hai? - Zum Beißen geboren; was leisten Haizähne? Was ist ein Revolvergebiß? Erfand der Hai die Zähne? Wieviel frißt ein Hai, wie jagt er? - Unheimlich: Die Sinne; wie finden Haie verletzte Beute? Auf welche Reize reagieren Haie? Wie untersucht der Hai einen Menschen? Was geschieht im Blutrausch? Wissen Haie im Trüben, wohin sie beißen? Soll man angegriffenen Menschen helfen? - Familienleben, Freunde und Feinde; gibt es Liebe unter Haien? Morden sich Geschwister im Mutterleib? Wie alt werden Haie, wie groß ist die Zahl ihrer Feinde, wie verhalten sie sich untereinander, wie kann man sie abwehren? Haben Haie Feinde, wer ist ihr gefährlichster Feind? Haben Haie Freunde? - Wunder der körperlichen Leistungsfähigkeit; wie schnell schwimmt der Hai, wie atmet er, wie gewinnt er Auftrieb? Gibt es extreme Spezialisten? Wer waren die Vorfahren de Haie? - Plattgedrückte Haie: Die Rochen; sind Rochen für Menschen gefährlich? Fürchten Haie Rochenbabys? Was fressen Rochen, was befähigt sie zum Bodenleben? Wie schwimmen Rochen, wie lieben sie sich? Welche Spezialisten gibt es? Dieses Buch über Haie (und nebenbei Rochen, die ja nur' plattgedrückte Haie' sind!) folgt dem gleichen Konzept als Sachbuch mit der Zielgruppe Kinder und Jugendliche, ist aber ein aufschlußreiches Gegenbeispiel zum oben besprochenen der anderen Serie. Es reicht halt nicht allein, einen aus Fernsehen, Presse und als Tierphotographen und -filmer bekannten Autoren als 'Zugpferd' zu wählen, um in Stil, Sachqualität und Darstellungsweise konkurrieren zu können. Gerade als Biologe kann heute niemand mehr auf allen 'Sätteln' gleich gut reiten wollen. Ein hinreichend selbstkritischer Autor sollte um der Sache willen lieber ein Thema auslassen, zu dem er nicht über eigene Erfahrung und Kenntnis verfügt. Tendenziöses drückt sich schon im Vorwort aus, daß "sogenannte Experten sich beeilten, den Film 'Der Weiße Hai 1' wegen Haibeleidigung anzuklagen und die Räuber der Meere als vergleichsweise harmlose Wesen charakterisierten." Dabei "kannte der Regisseur Steven Spielberg die Biologie der Haie genau und hat nur dem Publikumsgeschmack zuliebe ein wenig übertrieben." Daß die Klasse der Knorpelfische nur aus Rochen, "den gleichsam plattgedrückten Haien", und Haien besteht, aber die Holocephalen (Chimären) nicht erwähnt, rundet dieses Vorwort ab. Der effekthascherische, teils auch süßlich vermenschlichte Stil des Buches drückt sich schon im fiktiven Fragenkatalog des Inhaltsverzeichnisses aus, z.B. ob es Liebe unter Haien und Rochen gäbe oder ob Haie Freunde hätten, und gibt teils mit unmotivierter Frage "Morden sich Geschwister im Mutterleib?" schon die Antwort. Abgesehen vom Schreibstil, der in vielen Passagen besser in die Boulevardpresse passen würde aber nicht in ein Sachbuch gehört, zeigen zahlreiche fachliche Schnitzer und grobe Fehler, daß der Autor zu guten Teilen unkritisch Minimalinformation verarbeitet hat. Seine 'Sachvertrautheit' ließ ihn auch herbe Fehler der Illustratoren übersehen, z.B. auf S. 9 die fehlende Afterflosse des Walhais oder auf S. 37 den Geigenrochen Rhynchobatus djiddensis, der als Sägehai herhalten muß, oder das 'Glattrochen-Ei' (Raja batis) vom Nordseestrand, das eindeutig zum Sternrochen (Raja radiata) gehört und noch dazu "eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Ei des Katzenhais hat"! Die zahllosen mindestens Unsauber- und Mißverständlichkeiten zu nennen, würde hier zu weit führen. Unqualifizierten Spezifizierungen wie der "7,80 m lange Riesenhai", "13,70 m mächtige Walhai" (S. 8), "Nur der die Hochsee bewohnende Blauhai besitzt vergleichsweise große, lichtstarke Augen", die "In der Tiefsee die Lichter leuchtender Fische orten" (S. 17) stehen unsachgemäße Pauschalisierungen gegenüber; z.B. "daß Haizähne wie chirurgische Messer konstruiert sind" (S. 12), "ein Hai mit seinen winzigen Hautzähnchen andere Lebewesen blutig schrammen kann, um sie auf ihre Genießbarkeit zu testen" (S. 14), oder daß " der Stachelrochen bis zu 2,50 m lang wird" (S. 42). Wir lernen 'neue Arten', oder wenigstens 'neue Namen' kennen wie den "Steuerschwanz-Katzenhai" (S. 8), den "Walfängerhai" (S. 9), den "Breitmaul-Grauhai" (S. 21), den "Laternen-Stachelhai", der noch dazu "mit einer am Bauch liegenden Lampe den Boden der Tiefsee nach Beute absuchen kann" (S. 37), den "Ur-Riesenhai" mit eindrucksvollem Gebiß (S. 40), [gemeint ist der Ur-Weißhai C. megalodon], oder den "Riesenstachelhai" (S. 42). 'Neue Verhaltensweisen' werden vermittelt, daß z.B. Haie verschiedener Familien "langsam über den Meeresgrund schlürfen" (S. 9), "Die meisten Rochen Staubsaugern über dem Meeresboden gleichen, knapp über dessen Grund sie dahin schweben oder schlurfen" (S. 42), daß "der Zitterrochen ein Schwimmstümper ist" und daß es ihm wegen seiner zu Stromerzeugern großenteils umgebildeten Muskulatur "beim Schwimmen an Muskelkraft mangelt, er deshalb meist mit seinen zu Lauforganen umfunktionierten Bauchflossen über den Meeresgrund kriecht" (S. 48), und genau 20 Minuten führt ein Haimännchen einen Klasper - der zweite dient als "Ersatz" - in "die Öffnung" des Weibchens zwecks innerer Befruchtung ein (S. 23). Auch an 'morphologisch/anatomischen Neuigkeiten' fehlt es nicht, z.B. daß Haikieferknorpel "zur Verhärtung von einer dünnen Knochenschicht überzogen sind" (S. 12, 36), Haimännchen beim Paarungsreigen "an den Kiemendeckeln" der Weibchen knabbern (S. 23), die "Oberkiefer" bei Pristiophoriden und Pristiden (Sägehaie, bzw. -rochen) zu Sägen umgeformt sind (S. 46). Hinsichtlich ihrer bevorzugten Nahrung sind die Geigenrochen "der Schrecken aller Muschelzüchter, deren Austernbank nach dem Besuch aussieht, als habe dort ein Bulldozer gewütet" (S. 42); gemeint waren wohl die Adler- (Myliobatiden) und Kuhrochen (Rhinopteriden)! Auch sind die Sinne der Haie "unheimlich" (S. 17). Ferner war neu, daß "Pilotfische", die im Deutschen 'Lotsenfische' heißen [Fam. Carangidae] einem Weißspitzen-Hochseehai als Putzer dienen und ihm vors Maul und in die Kiemen hinein schwimmen" (S. 31); die 'Putzerfische' sind eigentlich andere. Für das Erscheinungsjahr 1993 sind Angaben wie "Insgesamt kennen wir etwa 300 verschiedene [Hai-] Arten" (S. 8) und "insgesamt 350 verschiedene Rochenarten" (S. 43) ebenso völlig überholt wie "Im Jahresdurchschnitt töten wir [Menschen] 4,5 Millionen Haie" (S. 30). Immerhin erwähnt der Autor auch (S. 5), daß "Haie vielerorts vor der Ausrottung stehen", wir sie "aus irrationalem Haß, aus Spaß an diesem 'Sport', zum Schutz von Badestränden töten, hauptsächlich aber um sie zu verspeisen"; speziell das "Goutieren von Haifischflossensuppe sollten Feinschmecker im Sinne des Artenschutzes lassen, denn Haie sind in vielen Seegebieten schon von der Ausrottung bedroht!" (S. 30).
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