Neue Veröffentlichung zur Nutzung von „Cleaning Stations“ durch Mantarochen in Mosambik

Viele Elasmobranchier, darunter auch Mantarochen, besuchen sogenannte „Cleaning Stations“, an denen Putzerfische Parasiten sowie abgestorbene Haut und Gewebe entfernen und zur Reinigung von Wunden beitragen. Solche „Cleaning Stations“ spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Tiere und die Funktionsweise von Riffökosystemen. Gleichzeitig gehören sie zu den wichtigsten Begegnungsorten zwischen Mantarochen und Tauchern und sind daher von besonderer Bedeutung für Forschung, Tourismus und Naturschutz.

In einer neuen Studie unter Leitung von D.E.G.-Mitglied Jule Buschmann wurde die Nutzung solcher „Cleaning Stations“ durch Mantarochen in Mosambik untersucht. Zum Einsatz kamen Remote Underwater Video-Systeme (RUV), die über lange Zeiträume hinweg autonom aufzeichnen können. Die eingesetzten Kameras blieben bis zu drei Wochen am Stück aktiv und zeichneten jeweils vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang auf. Insgesamt wurden über einen Zeitraum von drei Jahren mehr als 600 Stunden Videomaterial ausgewertet. Dabei konnten 174 Sichtungen von Mantarochen dokumentiert werden, darunter 82 Riffmantas (Mobula alfredi) und 65 Ozeanische Mantarochen (Mobula birostris). Weitere 27 Individuen konnten aufgrund der Bildqualität nicht sicher einer Art zugeordnet werden.

Die Auswertung zeigte ein klares Nutzungsmuster: Die meisten Besuche an den „Cleaning Stations“ fanden in den Morgenstunden bis zur Mittagszeit statt, während die Aktivität am Nachmittag deutlich zurückging. Außerdem dokumentierte die Studie zahlreiche Interaktionen mit Putzerfischen. Besonders häufig wurden dabei Putzerlippfische (Labroides dimidiatus) und Falterfische (Chaetodon kleinii) beobachtet, die sich sowohl in ihrem Verhalten als auch in den Körperregionen unterscheiden, an denen sie die Mantarochen reinigen. Auffällig war außerdem, dass beide Mantarochenarten zwar ähnliche Tageszeiten für ihre Besuche nutzten, jedoch nur äußerst selten gleichzeitig an derselben „Cleaning Station“ beobachtet wurden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Bereiche meist zeitlich versetzt genutzt werden.

Die Analyse zeigte außerdem, dass Mantarochen deutlich seltener an „Cleaning Stations“ beobachtet wurden, wenn sich in den Minuten davor oder danach Taucher am Riff aufhielten. Dies spricht dafür, dass die Tiere diese Bereiche kurzfristig meiden, wenn Taucher in der Nähe sind, und unterstreicht zugleich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen sensiblen Bereichen ist, etwa durch die Einhaltung bestehender Verhaltensrichtlinien für Begegnungen mit Mantarochen.

Die Studie zeigt außerdem das große Potenzial von RUV-Systemen für die Erforschung des Verhaltens von Haien und Rochen. Solche Kameras ermöglichen langfristige Beobachtungen ohne direkte Anwesenheit von Tauchern und liefern damit wertvolle Daten für die Erforschung und das Management wichtiger Lebensräume.

Publikation:

Buschmann, J., Dissanayake, A., Davies, J. S., Bridges, A., Keeping, J. A. (2026). Multi-Scale Use of Cleaning Stations by Manta Rays in Mozambique: Insights from Remote Underwater Video Surveillance. Marine Environmental Research. DOI: 10.1016/j.marenvres.2026.107962

Jule Buschmann