Neue Erkenntnisse über Leopardenhaie in Mosambik
01. Oktober 2026

Eine neue Studie über Leopardenhaie (Stegostoma tigrinum) in Südmosambik liefert neue Erkenntnisse darüber, wo und wann die Tiere entlang der Küste der Provinz Inhambane besonders häufig vorkommen, welche Riffe sie nutzen und wie standorttreu sie sind. Die Studie untersucht außerdem ihre Reaktionen auf Taucher und dokumentiert erstmals Balzverhalten im westlichen Indischen Ozean.
Die Population der Leopardenhaie im westlichen Indischen Ozean und in Südostasien wird von der IUCN als „Critically Endangered“ (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Gleichzeitig wissen wir noch relativ wenig darüber, wo sich die Tiere in dieser Region aufhalten und welche Gebiete sie regelmäßig nutzen. Untersucht wurde ein rund 300 km langer Küstenabschnitt in der Provinz Inhambane, vom Bazaruto-Archipel im Norden bis nach Závora im Süden. Zwischen 2011 und 2025 wurden auf über 9.200 Forschungstauchgängen 631 Leopardenhaie gesichtet. Anhand ihrer individuellen Fleckenmuster konnten 164 verschiedene Tiere identifiziert werden.
Dabei zeigte sich, dass Leopardenhaie im Untersuchungsgebiet vor allem rund um Tofo und Morrungulo regelmäßig vorkommen. Bei Tofo konzentrierten sich die Sichtungen auf einige wenige Tauchplätze im Norden des Ortes. In Morrungulo, ca. 60 km weiter nördlich, war die Sichtungsrate trotz der deutlich geringeren Anzahl an Tauchgängen höher als in allen anderen untersuchten Gebieten. Weiter nördlich und südlich dieses Küstenabschnitts wurden Leopardenhaie dagegen nur selten gesehen. Die Ergebnisse deuten damit darauf hin, dass die Riffe bei Tofo und Morrungulo wichtige Lebensräume für Leopardenhaie darstellen.

Einige Leopardenhaie kehrten immer wieder an dieselben Riffe zurück. Insgesamt wurden 35 % der identifizierten Tiere mindestens ein zweites Mal gesehen; 27 % wurden über mehrere Jahre hinweg gesichtet. Bei einem Tier lagen sogar elf Jahre zwischen der ersten und der letzten Sichtung. Gleichzeitig wurden im Laufe der Studie immer wieder neue Tiere identifiziert, während ein großer Teil nur einmal gesichtet wurde. Dies spricht für eine offene Population, in der einzelne Leopardenhaie dennoch über lange Zeiträume dieselben Riffe nutzen.
Drei Leopardenhaie, die zunächst in Tofo identifiziert worden waren, wurden später auch in Morrungulo gesichtet. Damit konnte erstmals nachgewiesen werden, dass einzelne Tiere beide Gebiete nutzen. Wie sich Leopardenhaie entlang der Küste bewegen, welche Gebiete sie dabei nutzen und wie stark verschiedene Gebiete miteinander verbunden sind, lässt sich anhand der bisherigen Daten allerdings noch nicht feststellen.
Auffällig war auch, dass rund 70 % der identifizierten Leopardenhaie Weibchen waren und es sich überwiegend um adulte und subadulte Tiere handelte. Im Durchschnitt waren die Haie 1,64 m lang. Jungtiere waren dagegen selten: Nur sieben Tiere waren kleiner als 1,2 m. Das kleinste war ein rund 80 cm langer Leopardenhai, der sich gerade im Übergang vom gestreiften Muster der Jungtiere zum typischen Fleckenmuster erwachsener Tiere befand. Einzelne Sichtungen von Jungtieren in flachen Küstengewässern nahe dem Bazaruto-Archipel lassen vermuten, dass diese andere Lebensräume nutzen als adulte Leopardenhaie.
In Mosambik sind derzeit nur Leopardenhaie unter 1,5 m gesetzlich geschützt. Diese Grenze liegt unter der Körpergröße, bei der Leopardenhaie die Geschlechtsreife erreichen, und auch unter der durchschnittlichen Körpergröße von 1,64 m der in der Studie erfassten Tiere. Der gesetzliche Schutz endet damit bereits, bevor die Tiere geschlechtsreif sind. Für eine langlebige Art mit später Geschlechtsreife und wenigen Nachkommen bietet diese Regelung daher nur begrenzten Schutz.
Einen weiteren Schwerpunkt der Studie bildete das Verhalten der Leopardenhaie. Bei mehr als der Hälfte der Begegnungen reagierten die Tiere auf die Anwesenheit von Tauchern. Entscheidend war dabei vor allem der Abstand: Kamen Taucher näher als fünf Meter heran, schwammen die Haie deutlich häufiger weg. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, beim Tauchen ausreichend Abstand zu den Tieren zu halten – besonders an Riffen, die sie regelmäßig als Ruheplätze nutzen.
Bei drei Begegnungen konnte zudem Balzverhalten beobachtet werden. Dazu gehörten unter anderem das Verfolgen eines Weibchens durch ein Männchen sowie das Greifen oder Beißen in die Schwanzflosse des Weibchens. Dies sind die ersten wissenschaftlich dokumentierten Beobachtungen von Balzverhalten bei Leopardenhaien im westlichen Indischen Ozean. Da dieses Verhalten sowohl in Tofo als auch in Morrungulo beobachtet wurde, könnten beide Gebiete für die Fortpflanzung der Art eine wichtige Rolle spielen.
Viele Fragen bleiben noch offen. Noch ist beispielsweise unklar, wie lange sich einzelne Leopardenhaie in bestimmten Gebieten aufhalten, welche Strecken sie zurücklegen, wie sie verschiedene Lebensräume entlang der Küste nutzen und wo sich die Jungtiere aufhalten. Weitere Forschung soll dazu beitragen, diese Fragen zu beantworten und besser zu verstehen, welche Gebiete für Leopardenhaie in Mosambik besonders wichtig sind.
Publikation
Buschmann, J., De Catarina, N., Keeping, J.A. and Flam, A.L. (2026). ‘Leopard sharks (Stegostoma tigrinum) in southern Mozambique: population structure, spatial ecology, and first observations of courtship behaviour’, Endangered Species Research. DOI: 10.3354/esr01533.
Jule Buschmann